Mittwoch, 30. November 2011
Wettrudern in der Midlife-Crisis..
Vorab - ich entschuldige mich für den englischen
Ausdruck im Titel, aber "Krise im mittleren Lebens-
abschnitt" klang nun doch so sehr gestelzt, dass
ich darauf getrost verzichten konnte.

Ich bin 31 Jahre alt, Borderliner, berufstätig,
beziehungsuntätig, Besitzer eines besonders
beratungs- und wartungsintensiven Fahrzeugs
und Bewohner eines ebenso bedürftigen Eigenheims.

Hielt ich es früher noch mit Neil Young, den bereits
ein gewisser Herr Cobain zitierte ("It's better to burn
out than to fade away"), so scheine ich mittlerweile
gefangen im Geflecht aus diktierten Notwendigkeiten und den süßen Verheißungen der Zerstreuungsindustrie.

Impulsdurchbrüche sind momentan nur noch jene
Leuchtfeuer am Horizont, welche man nicht mehr
gewillt ist zu erreichen.
Sollte man an ihnen dennoch, unter dem
monotonen Ruderschlag der alltäglichen Routine,
ab und an vorbeigleiten, so betrachtet man die Flammen spöttisch, wertet sie als bloßen Anachronismus, wird bei ihrer Berührung jedoch
erfüllt von jener Sehnsucht nach dem bewussten Erleben des Schmerzes.

Aber Schmerz ist eine Droge, sein ritualisiertes
Wahrnehmen verlangt Konstanz, nicht zwingend
eine stetige Steigerung der Dosis.
Alsbald reift die Erkenntnis heran, dass man auch
hier Gewöhnungseffekten unterliegt,
und immer häufiger die lodernden Flammen
aus Furcht vor allzu Bekanntem
geschickt umschifft werden.

Die verzehrende Hitze des Feuers wird gemieden,
es locken die in diffuses Nebelgrau gehüllten
Gestade der Apathie.

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass man
als Grenzgänger mit etwa 30 Jahren meistens
"über'n Berg" sei.

Entweder hat man bis dahin freiwillig die Barkasse "Mein Leben" durch einen beherzten Sprung in die Fluten verlassen oder hockt noch immer an den Riemen, manche eben noch ein wenig ziel- und inzwischen auch antriebsloser als in den Jahren davor.

Die Fahrt wird weitergehen, heute will ich aber
zunächst einmal den Anker werfen.

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